2x Edelmetall für Lutz und 1x für Ritz an den LA-SM in Genf
Meisterschaftliche Meisterschaft für TVL Athleten
Bei windigen aber sommerlichen Bedingungen wurden in Genf die Schweizer Meisterschaften 2016 ausgetragen. Der Termin war vor allem für die international startenden Athleten nicht wirklich optimal gelegen.
Silvan Lutz, von der EM in Amsterdam zurück, war einer dieser „strapazierten“ Athleten. Er trat in Genf an und wusste, wie er selbst deklarierte, dass in seiner primären Disziplin wohl von Rang 2 bis Rang 4 alles möglich sein würde. Am Samstag zeigte er in 47.32 Sek. einen souveränen Vorlaufsieg, notabene gegen Jonathan Vilaine. Spannend war seine Zielgerade. Wenn immer der starke Franzose attakierte, konterte Silvan mit einem kleinen druckvollen Antritt. Überraschend entschied Silvan, am Sonntag auch über 200m starten zu wollen. In einem entspannten Vorlauf sicherte er routiniert den direkten Finaleinzug. Die 21.81 Sek. sind zudem durchaus erfreulich. Nach diesem Vorlauf musste er auf seiner ungeliebten Bahn 6 in den Final über 400m starten. Mehr als eine Randnotiz war dabei, dass die erfolgreiche 4x400m EM Staffel nicht nur vollzählig am Start war, sondern direkt auf den Bahnen 4 bis 7 aufgereiht war. Diese vier Athleten, allen voran der nachmalige Meister Joel Burgunder bestimmten das Rennen. Silvan orientierte sich vorerst an Daniele Angelella, der für eine Medaille unbedingt geschlagen werden musste. Bereits Ende der Gegengeraden lief er an Daniele vorbei während gleichzeitig Burgunder bereits einigen Vorsprung hatte und der diese Saison sehr starke Luca Flück ebenfalls zu ihm auflaufen konnte. Die Kurve gestaltete sich dann als Zermürbungskampf zwischen den Staffelkumpels. Ausgangs Kurve versuchte Silvan Luca Flück etwas zu distanzieren, nach intensivstem Bemühen schien dies Mitte Zielgerade gelungen zu sein. Vorne wurde Joel etwas langsamer, Lutz und Flück stürmten mit viel Wille, noch einigermassen intakter Energie und viel Herzblut dem Zürcher hinterher. Aufzuholen vermochten sie ihn nicht mehr, dafür ist er derzeit einfach zu gut. Silvan erreichte das Ziel in 47.46, Luca Flück in 47.63. Silbermedaille, eine wirklich verdiente Silbermedaille, auch wenn Luca Flück über die bisherige Saison betrachtet, diese ebenso verdient hätte. Die enge Ausgangslage schien den Medaillenanwärtern die Lockerzeit genommen zu haben. Die Schlusszeiten aller Finalisten entsprach nicht den Erwartungen. Die zeitliche Fortsetzung des Sonntagnachmittags war dann für Silvan eine anspruchsvolle Angelegenheit. Er hatte 45 Minuten Zeit bis seinem 200m Final. Er musste sich für die Siegerehrung bereit halten, welche ständig verschoben wurde, während die übrigen Finalisten sprichwörtliche bereits hinter den Startblöcken standen. Konzentrationsphase? Zero! Tiefstarts? Zero! Steigerungssprints? Zero! Der einzige Steigerungslauf war derjenigen von der Siegerehrung zum 200m Start. Der Rest in Kürze! Silvan holte sich mit 21.58 Sek. die zweite Medaille und eine neue persönliche Bestzeit. Ein bisschen Stress scheint Silvan nicht zu beflügeln, viel Stress aber schon.
Andreas Ritz, in Form wie schon lange nicht mehr, dominierte seinen Vorlauf über 400m Hürden. Lockere, elegante 52.56 Sek. liessen darauf schliessen, dass Andreas 2016 ein ernst zu nehmender Medaillenkandidat sein würde. Das Fazit des Laufes: Kontrolliert, technisch überzeugend, nie voll belastet. Der Final schien eine enge Angelegenheit zu werden. Und effektiv so war es dann auch. Andreas konnte deutlich weniger Lockerheit und Souplesse einbringen. Zu verhalten waren die ersten 200m für mögliches Gold. Erst ab Hürde sieben zeigte Andreas seine grosse Klasse. Ab diesem Moment war er der Konkurrenz deutlich überlegen. Nur, zwei dieser Konkurrenten waren bereits mit deutlichem Vorsprung voraus. Dany Brand, einer dieser zwei hängte an der letzten Hürde ein, stürzte, stand wieder auf, während derweil Andreas ihn überholen konnte. Der starke Tessiner Mattia Tajana profitierte ebenfalls und lief eine tolle persönliche Bestzeit. Andreas erreichte mit 51.68 Sek. eine Saisonbestleistung und die viertbeste Zeit seiner Karriere. Dass er dennoch nicht ganz zufrieden war zeigt einerseits seine hohen Ambitionen und andererseits auch, was noch drin liegt. Nachdem er letztes Jahr durch Krankheit geschwächt Vierter war, wird ihn der gewonnene Vizeschweizermeistertitel doch freuen und motivieren.
Yves Maritz startete über 400m. Noch immer etwas mit den Nachwirkungen seiner Muskelverletzung kämpfend, lief er 50.49, persönliche Saisonbestleistung und trotzdem wohl doch nur ein Start in die zweite Saisonhälfte. Im Ziel war die Feststellung, alles gut gegangen zu sein wichtiger als der Blick auf das Resultattableau. Tim Stalder vermochte sich völlig überraschend für die Elite Meisterschaft zu qualifizieren. Seine gelaufene Zeit von 50.65 Sek. Ist wohl noch höher einzuschätzen als seine Qualifikationszeit in Düdingen. Die in seinem Fall undankbare Bahn 8 in einem Feld mit nur stärken Konkurrenten hätten nicht darauf schliessen lassen, dass er keck und mutig laufend, nur wenig auf seine persönliche Bestzeit verlieren würde. Die Ankündigung des Platzspeakers, er sei ein Nachwuchstalent des TV Länggasse hat die Aufgabe auch nicht erleichtert. Er nimmt wertvolle Erfahrungen mit und die Gewissheit, dass er immer eine starke Zielgerade hinlegen kann. Matthias Moseler musste wegen einer Sommergrippe am Samstag Forfait erklären. Am Sonntag bestritt er dann wenigstens den 200er und dies mit 22.63 Sek. einer unter diesen Umständen mehr als respektablen Zeit. Sein Lauf war technisch gut, einzig fehlte deutlich die Power, welche für herausragende Sprintleistungen Bedingung ist. Zwei Limiten für die Elitemeisterschaften zeigen sein Potential auf.
Pascal Furtwängler musste über 1500m im Vorlauf die gesamte Führungsarbeit übernehmen. Als letzter, nämlich zwölfter Läufer vermochte er sich für den Final zu qualifizieren. Dort führten zum Glück auch andere. Seine Hoffnung auf eine Medaille schien bis 40m vor dem Ziel aufzugehen. Dort wolle er innen am Zweitplatzierten vorbeisprinten. Das gelang nicht, dafür stürmte aussen Jonas Räss vorbei. Der vierte Rang ist toll, eine Medaille hätte er, beide Rennen zusammen betrachtet, mehr als verdient. Die Zeit von 3.58.26 ist nicht relevant. Auch dieses Rennen war ein taktisches Rennen.
Hendrik Engel war im Vorlauf zu sehen, an dem 33 Läufer teilnahmen. Am Schluss zeigte er sich zwar wieder stärker als noch vor einigen Wochen, doch für nach ganz vorne reicht seine Form noch nicht. Auch Selina Baumberger und Nerina Gross traten am Samstag in den Vorläufen der Mittelstrecken an. Sowohl Selina über 1500m als auch Nerina über 800m konnten sich jedoch nicht für die Finalläufe vom Sonntag qualifizieren.
Direkt in den Finalläufen über 5000m traten Daniela Aeschbacher und Lukas Marti an. Lukas musste das Rennen wegen Atembeschwerden leider aufgeben und Daniela lief ein beherztes Rennen im Mittelfeld.
In den Technischen Disziplinen war Daniela Schlatter die einzige TVL-Athletin wurde aber von ihrer GGB-Trainingskollegin Vera Falkenberg begleitet. Nachdem beide im Weitsprung mässig brillierten und als 9. (Daniela) und 10. (Vera) ausschieden, waren die Enttäschungen gross. 5.46m hätten für den Finaleinzug gereicht und zumindest für Vera wäre das reine Formsache gewesen. Dass Schweizermeisterschafte aber eigene Gesetzte haben, hat sich wieder einmal bewiesen! Besser meisterten die beiden dann am Sonntag-Mittag den Dreisprungwettkampf. Daniela mussta allerdings erneut nach 3 Versuchen den Wettkampf als 9. beenden. Vera konnte nach einem verknorzten Auftakt eine klare Steigerung hinlegen und sprang mit 12.43m eine deutliche PB. Dass es dann wegen einem mikrigen Zentimeter keine Medaille gab trübe die Freude allerdings ein wenig.
Resultate der TVLer:
Matthias Moseler
100m: Verzichtet wegen Krankheit
200m: VL: 22.63
Silvan Lutz
400m: VL 47.32, F: 47.46 (2. Rang)
200m: VL 21.81, F: 21.58 (PB) (3. Rang)
Tim Stalder
400m: VL 50.65
Yves Maritz
400m VL 50.49 (SB)
Andreas Ritz
400Hü: VL 52.56, F: 51.68 (SB) (2. Rang)
Pascal Furtwängler
1500m: VL 4:00.91, F 4:38.46 (4. Rang)
Hendrik Engel
1500m: VL 4:03.03
Daniela Aeschbacher
5000m: F 18:05.22 (9. Rang)
Lukas Marti
5000m: Aufgegeben
Selina Baumberger
1500m: VL 4:52.64
Nerina Gross
800m: VL 2:18.82
Daniela Schlatter
Weit: 5.40m (9. Rang)
Drei: 11.28m (9. Rang)
Vera Falkenberg (GGB)
Weit: 5.35m (10. Rang)
Drei: 12.43 (PB) (4. Rang)